Internationaler Kinderkrebsmonat September: Neue Hoffnung, wenn der Krebs zurückkehrt

Jedes Jahr erkranken etwa 2.000 Kinder in Deutschland an Krebs. Die Heilungschancen sind mittlerweile gut, doch bei Rückfällen liegen die Therapiemöglichkeiten immer noch deutlich hinter denen von Erwachsenen zurück. Krebsmedikamente speziell für Kinder gibt es bislang kaum. Bei der Konferenz „Improving cancer care in Europe“ am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) stellte Olaf Witt, Direktor des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) vor, welche Möglichkeiten die Kinderkrebsforschung heutzutage hat, auch diesen jungen Patienten zu helfen.

Quelle: UKHD

Das "Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg“ (KiTZ) ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Universität Heidelberg (Uni HD).

Krebs bei Kindern ist mittlerweile in vielen Fällen zu einer heilbaren Krankheit geworden. Vor 60 Jahren ließen sich Krebserkrankungen nur bei etwa 20 Prozent aller Kinder besiegen. In den 90er Jahren waren es, dank verbesserter Therapien, bereits 80 Prozent. Seither stagniert die Heilungsrate jedoch. „Bei einem Fünftel aller Kinder kommt der Krebs zurück und wir haben in diesen Fällen immer noch kaum Möglichkeiten, ihn wirksam und dauerhaft zu bekämpfen. Die gängigen Standardtherapien sind hier wirkungslos“, sagt Olaf Witt Direktor des KiTZ und vom DKFZ und vom Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). „Zudem haben die üblichen Chemotherapien und Bestrahlungsmethoden häufig starke Nebenwirkungen und Spätfolgen“, so Witt weiter. Die Entwicklung passgenauer Ansätze für Kinder sei deshalb dringend notwendig, betonte er auf der Europäischen Konferenz „Improving cancer care in Europe“, die am 3. September im DKFZ stattfand.

Neue Ansätze wie zielgerichtete Medikamente und die Krebsimmuntherapie, die bei Erwachsenen bereits gegen einige Krebserkrankungen erfolgreich eingesetzt werden, gibt es speziell für Kinder kaum. Momentan laufen in Deutschland nur etwa 20 klinische Studien zur Entwicklung neuer Krebsmedikamente speziell für Kinder. In der Krebsmedizin für Erwachsene sind es einige Hundert. KiTZ-Direktor Stefan Pfister vom DKFZ und UKHD sieht dafür mehrere Gründe: „Krebs bei Kindern ist im Vergleich zu Krebs bei Erwachsenen selten und macht weniger als ein Prozent aller Krebserkrankungen aus. Somit ist das wirtschaftliche Interesse wesentlich geringer. Zudem gibt es einige Hundert Untergruppen an Krebserkrankungen im Kindesalter, welche in der Regel auch nicht bei Erwachsenen vorkommen, sodass die Entwicklung von Krebsmedikamenten speziell für Kinder aufwendig und teuer ist und in der Regel international durchgeführt werden muss.“

Mit dem internationalen Programm INFORM am KiTZ wird erstmals flächendeckend mit modernsten molekularen Diagnostikverfahren systematisch nach neuen Therapieansätzen für krebskranke Kinder gesucht, bei denen die Standardtherapien ausgeschöpft sind. Seit dem Start der internationalen Initiative im Jahr 2015 schicken behandelnde Kinderärzte von rund 100 kinderonkologischen Zentren aus 11 europäischen Ländern Tumorproben von jungen Patienten, die einen Rückfall erleiden, nach Heidelberg. Dort suchen die Experten nach individuellen molekularen Angriffspunkten, mit denen sich der Krebs gezielt bekämpfen lässt. Finden die Wissenschaftler geeignete Zielstrukturen, können einige Patienten in eine passende klinische Studie für eine zielgerichtete Therapie eingeschlossen werden. Weil es davon in Deutschland und anderswo nur wenige gibt, müssen manche Patienten hierfür ins Ausland reisen.

In anderen Fällen können Ärzte auch auf Medikamente zurückgreifen, die ursprünglich für Erwachsene zugelassen wurden. Dieser sogenannte „Off Label Use“ im individuellen Heilversuch hat jedoch Nachteile, weiß Olaf Witt: „Die Dosierung wurde nicht für Kinder getestet, häufig steht auch keine geeignete Darreichungsform zur Verfügung und das Risiko für nicht rechtzeitig entdeckte Nebenwirkungen ist höher, da nicht wie in einer klinischen Studie engmaschig und nach einem vorgegebenen Plan überwacht wird. Zudem erbringen die Off-Label Anwendungen keinen systematischen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn.“

Seit 2015 wurden mehr als 1.500 junge Patienten in das INFORM-Programm eingeschlossen. In Deutschland waren es fast die Hälfte aller jungen Krebspatienten mit einem Rückfall. Bei einem erheblichen Anteil der Kinder und Jugendlichen konnte eine geeignete molekulare Zielstruktur identifiziert werden, die Grundlage für eine zielgerichtete Therapie bietet. „Wir hoffen jetzt sehr auf die Unterstützung von Seiten der Politik, um klinische Studien für neue Krebstherapien bei Kindern gemeinsam mit den verantwortlichen Zulassungsbehörden möglichst rasch auf den Weg bringen zu können und den Ausbau einer vernetzten internationalen Kinderonkologie intensiv voranzutreiben“, sagt Stefan Pfister.

 

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