Studie untersucht den Wert von Bewegungstherapie bei krebskranken Kindern

Eine Bewegungstherapie kann die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit von Krebskranken verbessern und steigert die Erfolgschancen der onkologischen Behandlung. Bei krebskranken Kindern und Jugendlichen ist die Datenlage bezüglich dieses Effekts jedoch noch spärlich. Daher wird eine Bewegungstherapie bei ihnen eher selten verordnet. Ein neues EU-Forschungsprojekt FORTEe unter dem Motto „Get strong to fight childhood cancer“ möchte das ändern. Insgesamt kooperieren dabei sechzehn Partnerinstitutionen aus acht europäischen Ländern, darunter auch das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), um die Wirksamkeit von Bewegungstherapie und digitalen Gesundheitstechnologien zur Bewegungsförderung während der Krebsbehandlung bei jungen Patientinnen und Patienten zu untersuchen.

Betreuerin und Kind mit Hanteln
Bildquelle: Philip Benjamin/KiTZ

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Deutschen Krebshilfe (DKH).

Krebskranke Kinder fühlen sich jedoch oft – gleichsam wie Erwachsene – schlapp und müde. Das können sowohl Symptome der Erkrankung als auch Nebenwirkungen der Therapie sein. Eine Krebserkrankung kann folglich den Entwicklungsprozess der betroffenen Kinder bremsen, da sie sich in der Regel weniger bewegen als gesunde Altersgenossen.

„Es gibt bereits etliche Hinweise darauf, dass eine Bewegungstherapie bei jungen Krebspatienten mindestens genauso hilfreich ist wie bei Erwachsenen“, berichtet der Sportwissenschaftler Joachim Wiskemann, der am NCT Heidelberg die Arbeitsgruppe „Onkologische Sport- und Bewegungstherapie“ leitet. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet er allen Krebspatientinnen und -patienten des NCT Heidelberg eine umfangreiche sport- und bewegungstherapeutische Beratung und Betreuung an – auch für Kinder und Jugendliche, sowie deren Eltern. Die Expertise seiner Arbeitsgruppe fließt fortan auch in das Forschungsprojekt FORTe ein. Mit im Boot ist das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) unter Leitung von Andreas Kulozik, dem Direktor für „Klinische Kinderonkologie“ am KiTZ und Ärztlicher Direktor der Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie.

„FORTe zielt besonders darauf ab, die Auswirkungen einer altersgerechten Bewegungsintervention auf die Krebsbehandlung bei jungen Patientinnen und Patienten zu erforschen“, erklärt Kulozik. Dazu planen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem, eine klinische Studie an mehr als 450 krebskranken jungen Patientinnen und Patienten an den beteiligten Standorten. „Wir wollen sowohl die Erfahrungen der betroffenen Kinder mit der Bewegungstherapie als auch diejenigen der Eltern und des medizinischen Personals untersuchen“, berichtet Kulozik.

Die Heidelberger übernehmen dabei im Wesentlichen zwei Aufgaben. Zum einen kümmern sie sich um das umfangreiche Datenmanagement. „Aus vielen Studien im Erwachsenenbereich wissen wir, wie man die Daten am besten sammelt, aufbereitet und analysiert“, erklärt Wiskemann. Zum anderen sind sie maßgeblich an Planung und Umsetzung der sporttherapeutischen Studie beteiligt, in die Anfang 2022 die ersten jungen Patientinnen und Patienten eingeschlossen werden. Auch hier können die Heidelberger auf ihr umfangreiches Know-How aus der Erwachsenentherapie zurückgreifen.

Eine Herausforderung bleibt es dennoch, da sich die Erfahrungen mit Erwachsenen nicht eins zu eins auf Kinder übertragen lassen. „Wir müssen bei Kindern noch mehr als bei den Erwachsenen versuchen, den Spaß an der Bewegung zu vermitteln“, sagt Wiskemann. Daher benötigen die Angebote attraktive, spielerische Elemente – das können die unterschiedlichen Bodenmaterialien eines Barfußpfads sein, genauso wie digitale Techniken, bei denen das Training auch ein klein wenig zum Wettbewerb wird.

„Außerdem wollen wir neuartige telemedizinische Versorgungskonzepte entwickeln und etablieren“, erklärt Wiskemann. Beispielsweise sollen Augmented-Reality-Techniken mit virtuellem Trainer zum Einsatz kommen, sodass die Kinder und Jugendlichen von zu Hause aus ihre Übungen absolvieren können. Davon würden dann auch andere Disziplinen und Partner im Gesundheitssystem profitieren, etwa niedergelassene Kinderärzte oder nicht-universitäre Krankenhäuser.

Neben den Forschungsvorhaben ist es den Projektbeteiligten wichtig, ihr Wissen weiterzugeben. Zusätzlich zu Fachartikeln, Newslettern und Workshops, die sich vor allem an Fachleute wie Ärzte, Pflegepersonal und Gesundheitsdienstleister wenden, soll es auch Schulungen für betroffene Familien geben.

Wiskemann geht davon aus, dass sich – mit Hilfe von FORTe – die Bewegungstherapie bei krebskranken Kindern und Jugendlichen rasch als Standard der Versorgung etablieren wird. Nicht nur, um die Erfolgschancen der Therapie und die individuelle Lebensqualität zu erhöhen, sondern auch, um die geistige und körperliche Entwicklung nicht zu beeinträchtigen. „Wenn Kinder eine wichtige Entwicklungsphase verpassen, lässt sich das nur schwer nachholen“, sagt Wiskemann. Daher findet der Fachmann: „Bei erwachsenen Krebspatienten ist die Bewegungstherapie sehr wichtig, bei Kindern ist sie superwichtig!“

Neben dem Heidelberger Standort beteiligen sich weitere 15 Partnerinstitutionen aus acht europäischen Ländern* an FORTe. Geleitet wird das Projekt von der Universitätsmedizin Mainz. FORTEe wird über das Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ mit einem Betrag in Höhe von rund 6,3 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren gefördert (grant agreement No. 945153). Die Europäische Kommission ist für die in der Pressemitteilung enthaltenen Informationen nicht verantwortlich.

*FORTEe Partner:

  • Concentris research management GmbH (DE)
  • German Sport University Cologne (Deutschland)
  • Nurogames GmbH (Deutschland)
  • Pixformance Sports GmbH (Deutschland)
  • University Medical Center Essen (Deutschland)
  • University Medical Center Mainz (Deutschland)
  • University Medical Center Heidelberg (Deutschland)
  • Region Hovedstaden (Dänemark)
  • Universidad Europea de Madrid SAU (Spanien)
  • Centre de Lutte Contre le Cancer Léon Bérard (Frankreich)
  • Fondazione IRCCS Istituto Nazionale dei Tumori (Italien)
  • Fondazione Monza e Brianza per Il Bambino e La Sua Mamma (Italien)
  • Fundatia Youth Cancer Europe (Rumänien)
  • Forma 3D Ltd. (Slowenien)
  • Univerzitetni Klinični Center Ljubljana (Slowenien)
  • Oxford Brookes University (Großbritannien)

Weiter Informationen: www.fortee-project.eu

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