Klinische Studie INFORM wird ausgezeichnet

Für Kinder, bei denen der Krebs zurückkommt, gibt es häufig keine Behandlungsmöglichkeiten mehr. Mit der Studie INFORM des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) können krebskranke Kinder mit einem Rückfall möglicherweise wirksamere Therapien erhalten, wenn Standardtherapien ausgereizt sind. Das europaweite Projekt wurde jetzt von der American Society of Clinical Oncology (ASCO) mit dem James B. Nachman-Preis für pädiatrische Onkologie und einem Preisgeld von 3000 US-Dollar ausgezeichnet.

Das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Universität Heidelberg (Uni HD).

Rückfälle und Fortschreiten von Krebserkrankungen nach einer intensiven Strahlen- oder Chemotherapie sind heute das drängendste Problem in der Krebsmedizin bei Kindern. Denn bei rund einem Viertel kehrt der Krebs zurück und ist dann häufig für die gängigen Behandlungsmethoden unempfindlich geworden. Im Jahr 2015 starteten Wissenschaftler des KiTZ daher die Registerstudie INFORM, um bei Kindern mit einem Rückfall molekulare Angriffsziele zu finden, durch die sich neue Behandlungsmöglichkeiten erschließen. Heute beteiligen sich fast 60 Zentren aus Deutschland sowie zehn weitere Länder in Europa und Israel an dem Projekt.

Das Prozedere: Kinderonkologen schicken Proben ihrer Patienten an das KiTZ nach Heidelberg. In der europaweit größten Einheit für Genom- und Proteinanalysen des DKFZ werden diese molekular analysiert. Die Daten werden anschließend u.a. von Ärzten des UKHD klinisch ausgewertet und in einer wöchentlichen Videokonferenz unter Beteiligung von Ärzten und Wissenschaftlern aus mehreren europäischen Ländern für die Therapieentscheidung herangezogen.

Mittlerweile wurde das Tumorerbgut von mehr als 1300 Patienten in der Studie ausgewertet. In vielen Fällen findet sich ein neuer Angriffspunkt für eine molekulare zielgerichtete Therapie, in einigen Fällen konnte eine erbliche Form des Tumors oder die genaue Tumorform auf Basis der Genomanalyse diagnostiziert werden. Eine stetig steigende Zahl von Patienten erhält außerdem eine an das individuelle Tumorprofil angepasste Therapie, und einige Patienten können einer passenden klinischen Studie zugeordnet werden. „Wir freuen uns sehr über diese internationale Anerkennung. Es zeigt, dass wir mit INFORM eine einzigartige Infrastruktur für die personalisierte Krebstherapie bei Kindern geschaffen haben“, sagt KiTZ-Wissenschaftler und Kinderonkologe Cornelis van Tilburg, der die aktuellen Ergebnisse der Studie bei der ASCO Konferenz 2020 stellvertretend für das INFORM-Team vorstellen wird. Die Studie wurde zudem als Highlight-Beitrag für das Presidential Select Symposium während der diesjährigen Konferenz der American Association for Cancer Research (AACR) ausgewählt.

Ziel der Wissenschaftler ist es, möglichst vielen Kindern individuelle Tumoranalysen und somit eine Chance auf eine möglicherweise rettende Therapie, zum Beispiel innerhalb innovativer klinischer Studien, zu eröffnen. Mindestens 500 Analysen im Jahr sollen durchgeführt werden, pro Tumoranalyse fallen dabei Kosten von etwa 5000 EUR an. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diese Kosten regulär über die Krankenkassen abrechnen zu können. Momentan ist das jedoch noch nicht der Fall, und wir sind auf private Spenden angewiesen“, betont KiTZ-Direktor Olaf Witt und Koordinator des INFORM-Registers, der am DKFZ die Klinische Kooperationseinheit Pädiatrische Onkologie leitet und gleichzeitig Kinderonkologe am Universitätsklinikum Heidelberg ist. „Unsere Vision ist es, in Zukunft für jeden Tumortyp eine maßgeschneiderte Therapie zu finden."