ITCCP4: Entwicklung präklinischer Modelle zur Prüfung zielgerichteter Wirkstoffe

Etwa 25 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder erleiden trotz intensiver Erstlinien-Therapie einen Rückfall. Dann sind Möglichkeiten zur weiteren Behandlung sehr begrenzt. Die Suche nach neuen Therapieoptionen für Kinder, bei denen etablierte Methoden nicht zur dauerhaften Heilung geführt haben, gestaltete sich bislang schwierig. Denn die molekulargenetische Daten zur Tumorentwicklung und zum Tumorresistenz sind begrenzt und es gibt für viele Krebsarten und -unterarten bisher keine Modellorganismen zur präklinischen Prüfung neuartiger molekular zielgerichteter Wirkstoffe .

Das internationale ITCC-P4-Projekt (Innovative Therapies for Children with Cancer Paediatric Preclinical Proof-of-concept Platform), das 2017 gestartet ist und von DKFZ-Forschern am KiTZ  Heidelberg und dem Pharmaunternehmen Eli Lilly koordiniert wird, will das nun ändern. ITCC-P4 wird fünf Jahre mit über 16 Millionen Euro als “Innovative Medicines Initiative” (IMI) in Form einer Public Private Partnership gefördert und je zur Hälfte von der EU (Horizon 2020) und von den beteiligten Unternehmen finanziert.

Das übergeordnete Ziel der Initiative ist es, die Entwicklung neuer Medikamente für krebskranke Kinder zu beschleunigen und neue Biomarker zu entwickeln. Die Tumormodelle, die im Rahmen der ITCC-P4-Initiative in den beteiligten akademischen Forschungszentren entwickelt werden, sollen später für den Aufbau einer umfangreichen und nachhaltigen Plattform bereitgestellt werden, um daran auch zukünftig Wirkstofftests durchführen zu können. Es ist davon auszugehen, dass es mit  patientenindividuellen Tumormodellen besser gelingt, aussagekräftigere Ergebnisse zur Vorbereitung klinischer Studien zu erzielen, als es momentan mit den üblichen Tests an Krebszellen in der Kulturschale oder an genetisch gleichförmigen Mausstämmen möglich ist.

Der Ansatz
ITCC-P4 umfasst alle wichtigen Schritte, die notwendig sind, um auf der Basis genetischer Informationen von über 360 Patientenproben eine nachhaltige, umfassende präklinische pädiatrische Testplattform zu etablieren. Die Abbildung fasst den Gesamtansatz des Projektes zusammen.

Weitere Details

  • Erstellen eine repräsentativen Sammlung von etwa 400 Patienten-in-vitro- und in vivo-Modellen sowie genetischen Mausmodellen der häufigsten pädiatrischen soliden Hochrisiko-Entitäten – mit einem erheblichen Anteil an Rezidiv-Modellen.
  • Molekulare Charakterisierung der Modelle sowie der dazugehörigen Primärtumorproben und Keimbahnkontrollen mit modernsten molekularen Diagnosewerkzeugen.
  • Entwicklung umfassender präklinischer Datenpakete. Diese sind notwendig, um Arzneimittel in klinischen Studien für Kinder mit soliden Tumoren verwenden zu können.
  • Priorisierung der Entwicklung von pädiatrischen Arzneimittenl unter Verwendung der vorhandenen Sammlung molekularer Daten für systematische Zielberichte, gefolgt von in-vivo-Arzneimitteltests in Krankheitsmodellen einschließlich Pharmakokinetik und Pharmakodynamik. Es werden auch Standard-of-Care-Pharmaka für alle Modelle getestet, um diese dann als Basis für die Vergleiche heranziehen zu können.
  • Identifizierung geeigneter Biomarker für die zukünftige klinische Stratifizierung von Patienten über mehrere Entitäten hinaus.
  • Letztlich wird die Etablierung der ITCC-P4-Plattform langfristig eine langjährige Lücke schließen, indem eine ausführliche molekulare Charakterisierung von pädiatrischen malignen Hoch-Risiko-Erkrankungen gepaart mit standardisierten präklinischen Testverfahren ermöglicht und damit die Entwicklung präziser und effizienter Medikamente für diese Patientengruppe beschleunigen werden kann. Die Entwicklung dieser Plattform als öffentlich-private-Partnerschaft wird ein Modell für die Zusammenarbeit schaffen, das hoffentlich auf andere Arten von Krebsentitäten und Patientengruppen ausgedehnt werden kann.

 

Am ITCC-P4-Konsortium sind viele der renommiertesten europäischen Forschungseinrichtungen beteiligt:

  • DKFZ / KiTZ,  Institute for Cancer Research (London, United Kingdom), European consortium for Innovative Therapies for Children with Cancer, Institute Gustave Roussy, Alleanza Contro il Cancro (Rom, Italy), Zürich University, Medizinische Universität Wien (MUW), Fundació Sant Joan de Déu Barcelona, Academic Medical Center (AMC) (Amsterdam, Netherlands), Children`s Cancer Research Institute Vienna, Institut Curie, Charité Berlin, Princess Máxima Center Utrecht
  • Etablierte kleine und mittlere Unternehmen: EPO-Berlin-Buch GmbH, XenTech (Evry, France)
  • Mitglieder der “European Biopharmaceutical Enterprises (EBE“): PharmaMar (Madrid, Spain)
  • Mitglieder der “European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations” (EFPIA): Lilly, Roche, Pfizer, Bayer, Charles River.

Prof. Dr. med. Stefan M. Pfister

Postanschrift:

Deutsches Krebsforschungszentrum
Abt. Pädiatrische Neuroonkologie B062
Ines Hofmann
Im Neuenheimer Feld 580
69120 Heidelberg

Tel: 06221 - 424617
E-Mail: s.pfister(at)kitz-heidelberg.de