INdividualized Therapy FOr Relapsed Malignancies in Childhood (INFORM)

Kinder und Jugendliche mit bösartigen Tumorerkrankungen können mit modernen Behandlungen inzwischen zu ca. 80 Prozent geheilt werden. Dennoch bleiben etwa 20 Prozent, die einen Rückfall erleiden oder eine sehr schlechte Prognose haben.

Der Herausforderung, auch diesen Patienten eine Chance zu bieten, stellt sich INFORM (INdividualized therapy FOr Relapsed Malignancies in Childhood). Es ist das erste länderübergreifende Genomsequenzierungsprogramm für Kinder mit Krebs in Europa. Damit ist es möglich, molekulare Angriffsziele zu identifizieren, durch die sich neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Seit 2015 werden Kinder und Jugendliche nach der Erbgutentschlüsselung in INFORM in klinische Studien eingeschlossen oder bekommen unter kontrollierten Bedingungen eine sogenannte Off-Label-Behandlung mit Wirkstoffen, der ursprünglich für Erwachsene zugelassen wurden. Unterdessen konnten bereits mehr als 1700 Patienten im Rahmen des INFORM-Registers erfasst werden. Die Ergebnisse von INFORM dienen dazu, innovative Phase I/II Studien zu entwickeln wie beispielsweise die INFORM2-Basketstudien Serie.

Das Team am KiTZ ist dabei federführend. Mehr als 100 Zentren aus 12 europäischen Ländern sowie Israel senden ihre Tumorproben nach Heidelberg. Hier kategorisieren Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg die Passgenauigkeit der molekularen Veränderungen und suchen nach geeigneten Studien und Behandlungen.

Im Kontext der ITCC ist das INFORM-Team vernetzt mit anderen europäischen präzisionsmedizinischen Programmen in Frankreich (Mappyacts), den Niederlanden (iTHER), Großbritannien (SM-PAEDS) und Dänemark.

Bei Fragen zur INFORM-Registerstudie wenden Sie sich bitte an: INFORM_info(at)dkfz.de

Das Konzept des INFORM-Programmes besteht darin, unabhängig von der histologischen Diagnose Tumorproben aus Routine-Biopsien von Patienten im Kindesalter mit zurückgekehrten oder refraktären Hochrisiko-Erkrankungen, für die keine weitere Standard-Therapie vorhanden ist, biologisch zu charakterisieren. Es kommen hochmoderne Sequenzierungstechnologien zum Einsatz, um einen „Fingerabdruck“ jedes einzelnen individuellen Tumors zu gewinnen. Ein Experten-Gremium – bestehend aus erfahrenen pädiatrischen Onkologen, Bioinformatikern, Biologen und Pharmakologen – klassifiziert und beurteilt die Veränderungen und Targets, die bei jedem einzelnen Patienten gefunden werden konnten, hinsichtlich ihrer klinischen Relevanz. Diese molekularen Angriffsziele sollen in weniger als 4 Wochen vorliegen und in eine zentrale Datenbank eingegeben werden. Mit diesem Studienregister wird keine Therapie-Empfehlung gegeben. Der behandelnde Arzt hat Zugang zu den molekularen Informationen/Targets seines Patienten und trägt die volle Verantwortung, ob und auf welche Weise er diese Daten für seine Therapie-Entscheidung nutzt.

Zweck des INFORM-Registers ist es, eine technische, strukturelle und genetische Informationsbasis für zukünftige klinische Studien (AMG) im Bereich der personalisierten pädiatrischen Onkologie aufzubauen. Weitere Informationen finden Sie hier. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: INFORM_info(at)DKFZ.de

Das INFORM-Konsortium ist ein Zusammenschluss aus führenden Ärzten und Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Genomforschung sowie kinderonkologischen Studiengruppen der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH).

Koordinatoren:

  • Prof. Dr. med. Olaf Witt,  KiTZ Direktor Translationales Programm

    Koordinator des INFORM Registers und INFORM2
    Leiter der Abteilung Klinische Kooperationseinheit (KKE) Pädiatrische Onkologie, DKFZ
    Leiter der KiTZ Clinical Trial Unit (ZIPO) und Pädiatrische Hirntumore
    Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie (Kinderheilkunde III), Universitätsklinikum Heidelberg

  • Prof. Dr. med. Stefan Pfister,  KiTZ Direktor Präklinisches Programm
    Koordinator INFORM Programm
    Leiter der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie, DKFZ
    Stellvertretender Sektionsleiter KiTZ Clinical Trial Unit und Pädiatrische Hirntumore
    Oberarzt in der Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie (Kinderheilkunde III), Universitätsklinikum Heidelberg

  • David T. W. Jones, Ph.D.
    Koordinator molekulare Diagnostik
    Leiter der Nachwuchsgruppe Pädiatrische Gliomforschung, DKFZ

  • Prof. Dr. Peter Lichter
    Koordinator OMICs Workflows
    Leiter der Abteilung Molekulare Genetik, DKFZ

  • Prof. Dr. med. Uta Dirksen
    Koordinator der beteiligten GPOH Gruppen
    Stellvertretende Vorsitzende der GPOH
    Stellvertretende Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde III, Onkologie, Hämatologie, Immunologie, Kardiologie, Pneumologie, Westdeutsches Tumorzentrum, Universitätsklinikum Essen

 

Wer für die Teilnahme an dem INFORM-Register infrage kommt, wird von dem behandelnden Kinderonkologen festgestellt. Einschlusskriterien sind zurückgekehrte oder unter der Therapie fortschreitende Tumorerkrankungen mit der Diagnose einer ALL-HR, ALL Post-SCT, AML, Rhabdoide Tumoren, Ependymom, Medulloblastom, Ewing-Sarkom, Hepatoblastom, hochgradiges Gliom, Hochrisiko-Neuroblastom, Keimzelltumor, Nephroblastom, Non-Hodgkin Lymphom, maligne endokrine Tumoren, Osteosarkom, Retinoblastom und Weichteilsarkom. Patienten mit Primärerkrankung eines hochgradigen Glioms (inkl. DIPG), einem spezifischen Weichteilsarkom oder ETMR, für die keine kurativen Behandlungsoptionen in der Primärsituation vorliegen, können ebenfalls eingeschlossen werden. In Ausnahmefällen können nach Rücksprache „andere" pädiatrische refraktäre oder progressive/rückfällige Entitäten, inklusive seltene Tumorerkrankungen in das Register aufgenommen werden. Die Patienten sind zwischen 0 und 40 Jahre alt und wurden im Rahmen ihrer Primärdiagnose in einem Behandlungsprotokoll der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) oder einem äquivalenten Behandlungsprotokoll behandelt. Ausnahmen können HGG (inkl. DIPG), spezifische Weichteilsarkome, ETMR und seltene Tumorerkrankungen sein. Der Einschluss von Patienten ist zwar bis zum Alter von 40 Jahren möglich, die Primärdiagnose muss allerdings bereits vor dem Alter von 21 Jahren gestellt worden sein. Außerdem können angesichts der Dauer der Analyse nur Patienten teilnehmen, die noch eine Lebenserwartung von mindestens 3 Monaten haben und in gutem Allgemeinzustand sind. Das Tumormaterial gewinnen wir im Rahmen der Routineversorgung der Patienten.

Studienteilnahme

Patienten (und/oder Eltern) werden von ihrem behandelnden Kinderonkologen über das INFORM-Register aufgeklärt und unterschreiben die Einwilligungserklärung. Danach kann der behandelnde Kinderonkologe nach Überprüfung der Ein- und Ausschlusskriterien den Patienten elektronisch beim INFORM-Register anmelden. Ohne diese elektronische Anmeldung können keine Untersuchungen durchgeführt werden. Nur ein Kinderonkologe kann einen Patienten beim INFORM-Register anmelden.

Von einem Expertengremium (erfahrene Kinderonkologen, Bioinformatiker, Biologen, Pharmakologen) werden für jeden einzelnen Patienten die gefundenen Veränderungen nach klinischer Relevanz klassifiziert. Im Rahmen des Registers werden keine Therapieempfehlungen, sondern lediglich die molekularen Informationen weitergegeben. Der behandelnde Kinderonkologe hat Zugriff auf die gewonnenen biologischen Informationen seines Patienten und kann unabhängig darüber entscheiden, ob und in welcher Form er diese für seine Therapieentscheidung nutzt.

Bitte richten Sie Ihre Anfragen an folgenden Kontakt: INFORM_info(at)dkfz.de