Hirntumore gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eine Strahlentherapie erforderlich machen. Die Behandlung ist zwar effektiv, allerdings können je nach Lage und Größe der bestrahlten Hirnareale sowie der Intensität der Bestrahlung gesunde Gehirnzellen langfristig geschädigt werden. Bei etwa einem Fünftel der Behandelten bestehen später im MRT sichtbare Veränderungen im gesunden Hirn. In bis zu 20 Prozent der Fälle können diese Veränderungen Symptome verursachen und die Lebensqualität der Krebs-Überlebenden, auch „Cancer Survivors“ genannt, spürbar einschränken.
Das Projekt UncovRT (Uncover molecular mechanisms of side effects after cranial Radiation Therapy to improve quality of life for long term survivors of brain cancer) strebt an, den Einfluss von behandlungsbedingten Veränderungen im Gehirn auf die Lebensqualität und Gehirnfunktion bei erwachsenen Patient:innen und Kindern erstmals systematisch zu erfassen. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung, Forschung und Technologieentwicklung (BMFTR) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs mit einer Fördersumme von rund 2,2 Millionen Euro unterstützt.
In diesem Verbund arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Forschungseinrichtungen in Dresden, Hamburg, Heidelberg, Essen und Dortmund eng zusammen, um eine gemeinsame Datenbank für klinische, translationale und präklinische Daten aufzubauen. Diese Plattform soll die Grundlage für die Analyse von Veränderungen in Nachsorge-MRTs bilden, die noch Monate oder Jahre nach der Behandlung auftreten können. In präklinischen Studien mit Mausmodellen untersuchen die Forschenden biologische Mechanismen strahlenbedingter Hirnschäden und identifizieren molekulare Parameter, die das Risiko solcher Schäden vorhersagen. Parallel dazu werden bereits zugelassene Medikamente auf ihre Fähigkeit zur Vermeidung solcher Nebenwirkungen getestet. Zusätzlich sollen die daraus gewonnenen Erkenntnisse existierende Vorhersagemodelle optimieren und gezielt bei der Therapieplanung unterstützen.
„Die Nationale Dekade gegen Krebs schafft den Rahmen, um die langfristigen Folgen einer Strahlentherapie mit einer bislang nicht erreichten Tiefe zu untersuchen. Projekte wie UncovRT geben uns die Möglichkeit, neue wissenschaftliche Zusammenhänge aufzudecken und daraus Impulse für Therapien abzuleiten, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten besser gerecht werden“, so Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus an der TU Dresden. Geleitet wird das Konsortium von Mechthild Krause, Professorin für Translationale Radioonkologie an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.
Auch Betroffene werden aktiv eingebunden: Ein erwachsener Überlebender einer Hirntumorerkrankung sowie die Mutter eines erkrankten Kindes begleiten das Projekt als Patientenvertreter:innen und bringen ihre Perspektive in Forschungsgespräche ein. Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass die beteiligten Patient:innen die Forschungsergebnisse nachvollziehen können und diese an andere „Cancer Survivors“ und ans breite Publikum vermitteln.
Mit UncovRT schafft die Hochschulmedizin Dresden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) sowie Partnerinstitutionen eine wegweisende Plattform für die Erforschung langfristiger Strahlenschäden und legt den Grundstein für zukünftige klinische Studien zur Verbesserung der Lebensqualität von Überlebenden einer Hirntumorerkrankung.
Nationale Dekade gegen Krebs
Mit der Nationalen Dekade gegen Krebs stärkt das BMFTR die Krebsforschung in Deutschland. Im Rahmen dieser Initiative fördert das Bundesministerium interdisziplinäre Forschungsarbeiten im Bereich „Cancer Survivors“, denn Krebsüberlebende müssen sich häufig mit Langzeitfolgen ihrer Erkrankung oder auch der zur Behandlung eingesetzten Therapie auseinandersetzen. Welche Prozesse jedoch zu diesen Folgen führen, ist weitgehend unbekannt. Daher werden Projekte gefördert, die die Ursachen der Langzeitfolgen besser verstehen und Grundlagen für neue Präventionsmaßnahmen entwickeln, die zukünftig die Lebenserwartung und -qualität der „Cancer Survivors“ verbessern können.



