Welche Medikamententests eignen sich am besten für die personalisierte Krebstherapie?

Forschende des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) haben die Zuverlässigkeit zweier Medikamententestverfahren mit patienteneigenen Tumorzellen miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Methoden wirksame Krebsmedikamente identifizieren können und gleichzeitig unterschiedliche, sich ergänzende Informationen für die individuelle Therapieplanung liefern.

Ina Oehme ist Leiterin der Studie und der Medikamententestung am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ). © M. Stark/ KiTZ

Durch Medikamententests an lebenden Tumorzellen von Patientinnen und Patienten lassen sich mögliche therapeutische Schwachstellen eines Tumors erkennen, die allein durch genetische Analysen nicht immer sichtbar werden. Sie können helfen, mögliche alternative Behandlungsmöglichkeiten zu identifizieren, wenn Standardtherapien nicht mehr wirken. 

In der vorliegenden Studie wurden bis zu 50 Krebsmedikamente an Tumormodellen unterschiedlicher kindlicher und erwachsener Krebsarten untersucht. Ein schneller Kurzzeittest misst innerhalb von drei Tagen die Lebensfähigkeit von Tumorzellen nach Medikamentengabe. Eine zweite Methode beobachtet das Wachstum von Minitumoren im Labor, die aus patientenspezifischen Tumorzellen heranwachsen über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen. Das Verfahren berücksichtigt auch die Aufnahme und den zellulären Transport des Wirkstoffs und ermöglicht so Einblicke in die langfristige Wirkung der Behandlungen.

Die Ergebnisse zeigten eine hohe Übereinstimmung zwischen beiden Verfahren. In mehr als 96 Prozent der Fälle kamen die Tests zu derselben Einschätzung darüber, welche Medikamente bei einer bestimmten Tumorerkrankung wirksam sind und welche nicht. Besonders wertvoll war jedoch die Langzeitmethode: Sie konnte unterscheiden, ob ein Medikament Tumorzellen tatsächlich abtötet oder ihr Wachstum lediglich vorübergehend verlangsamt. Zudem erlaubte sie Aussagen darüber, wie dauerhaft ein Therapieeffekt ist.

Ein klinisches Fallbeispiel verdeutlichte die Bedeutung dieses Ansatzes: Während der Kurzzeittest auf eine mögliche Wirksamkeit eines Medikaments hindeutete, sagte die Langzeitanalyse korrekt voraus, dass der Tumor später erneut wachsen würde.

Die Forschenden sehen in der Kombination beider Ansätze einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer noch präziseren und individuelleren Krebsmedizin. „Nicht jede vielversprechende Reaktion im Labor führt auch zu einem langfristigen Therapieerfolg. Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Tumorantworten auch über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Dadurch können wir besser unterscheiden, welche Behandlungen eine echte und nachhaltige Wirkung entfalten und welche lediglich kurzfristige Effekte auslösen“, sagt Ina Oehme, Leiterin der Studie und der Medikamententestung am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Künftig sollen weitere Studien untersuchen, wie gut die im Labor beobachteten Therapieantworten den tatsächlichen Behandlungserfolg bei Patientinnen und Patienten vorhersagen können.

 

Originalpublikation:
A. Loboda et al. Integration and validation of complementary ex vivo assays for functional precision oncology. In: NPJ Precision Oncology (Online Publikation 17.06.2026). DOI: https://doi.org/10.1038/s41698-026-01555-2
 

Dr. Alexandra Moosmann

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