13,2 Millionen Euro für neue Immuntherapien gegen Ewing-Sarkome bei Kindern und Jugendlichen

Im „Goldenen September“, dem internationalen Aktionsmonat für Krebs bei Kindern und Jugendlichen, startet das europäische Forschungsprojekt THEODORA. Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg entwickeln mit ihrer Expertise in der klinischen Forschung und Präzisionsonkologie am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) gemeinsam mit dem Institut Curie in Paris, dem Prinses Máxima Centrum in Utrecht und weiteren Partnern neue Immuntherapien gegen Ewing-Sarkome. Ziel ist es, vielversprechende moderne immuntherapeutische Ansätze schneller klinisch zu prüfen und Kindern und Jugendlichen mit aggressiven Krankheitsverläufen damit neue Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Bestimmte Immunzellen, sogenannte TCR-T-Zellen, sind gegen eine spezifische Angriffsstelle beim Ewing-Sarkom gerichtet. © KiTZ/ChatGPT

Das „Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg“ (KiTZ) ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Universität Heidelberg (Uni HD).

Das vom Institut Curie koordinierte Programm wird mit insgesamt rund 13,2 Millionen Euro im Rahmenprogramm Horizon Europe sowie im europäischen Forschungsförderprogramm „Fight Kids Cancer“ der European Science Foundation gefördert. Neben dem Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KITZ), der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, dem Institut Curie in Paris und dem Prinses Máxima Centrum in Utrecht, Niederlande, sind unter anderem das Institut Gustave Roussy, das Universitätsklinikum Gent, die Universität Gent und die Organisation Childhood Cancer International Europe beteiligt.

Das Ewing-Sarkom ist der zweithäufigste Knochentumor bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen 25 Jahren nur wenig verändert. Standard ist bislang eine Kombination aus Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation. Insbesondere bei aggressiven Formen der Erkrankung sind die Behandlungsergebnisse jedoch oft nicht ausreichend.

THEODORA umfasst zwei zentrale Projekte: Der erste Projektteil zur Immuntherapie startet im September 2026 und wird mit 8,7 Millionen Euro durch das Horizon Research and Innovation Action (RIA) Programm der EU gefördert. Damit soll eine erste klinische Studie vorbereitet werden, in der bestimmte Immunzellen, sogenannte TCR-T-Zellen, untersucht werden, die gegen eine spezifische Angriffsstelle beim Ewing-Sarkom gerichtet sind. Der Vorteil solcher TCR-T-Zellen ist, dass sie auch Zielstrukturen erkennen, die im Inneren der Krebszellen vorkommen. Die ersten klinischen Studien sollen ab dem Jahr 2028 starten.

Am KiTZ werden neben der Behandlung von Patientinnen und Patienten eine umfassende Biomarker-Analyse und das Therapiemonitoring dieser Immuntherapien eine wichtige Rolle spielen. Durch die Kombination von Immunzell-Analysen und Flüssigbiopsien der Tumor-DNA im Blut soll möglichst genau nachvollzogen werden, wie der Tumor und das Immunsystem auf die neue Behandlung reagieren. 

„Das ermöglicht uns, den Krankheitsverlauf in Echtzeit zu überwachen und zu verstehen, wie die einzelnen Patientinnen und Patienten auf die Behandlung ansprechen. Indem wir das Monitoring der Immunzellen mit Flüssigbiopsien verbinden, kann THEODORA dazu beitragen, die Präzisionsmedizin für junge Menschen mit Sarkomen weiterzuentwickeln und noch wirksamer zu machen“, sagt Christian Seitz, Ärztlicher Leiter des Schwerpunkts „Stammzelltransplantation, Zell- und Gentherapie“ am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) und der Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) sowie Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Das Prinses Máxima Centrum übernimmt unter anderem die Herstellung der TCR-T-Zellen und bringt zudem seine Expertise auf dem Gebiet der Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) ein. Dazu gehören standardisierte Instrumente bzw. Fragebögen, mit denen Patientinnen und Patienten subjektiv über ihren Gesundheitszustand, ihre Symptome und ihr Wohlbefinden berichten. Damit soll neben der medizinischen Wirksamkeit auch untersucht werden, wie sich die Therapie auf die Lebensqualität der jungen Patientinnen und Patienten auswirkt.

Forschende des Institut Curie konnten in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am KiTZ neue, tumorspezifische sogenannte Neogene identifizieren. Sie entstehen infolge für das Ewing-Sarkom charakteristischer genetischer Veränderungen der Tumorzellen und eröffnen neue Möglichkeiten für zielgerichtete Immuntherapien. Solche Neogene wurden nicht nur beim Ewing-Sarkom, sondern auch bei weiteren Sarkomen im Kindes- und Jugendalter nachgewiesen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen, soll das THEODORA-Projekt jetzt ein europaweites Masterprotokoll für frühe klinische Studien bei Ewing-Sarkomen etablieren, mit dem innovative Immuntherapien für Kinder effizienter klinisch untersucht werden können.

Ein zweiter Projektteil, THEODORA-B, startet 2027. Dafür stehen weitere 4,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Fight Kids Cancer“ der European Science Foundation zur Verfügung. Untersucht werden soll ein gebrauchsfertiger therapeutischer mRNA-Impfstoff, dessen Sequenz mehrere für das Ewing-Sarkom charakteristische Neoantigene umfasst. Entwickelt wird der Impfstoff von der Universität Gent und dem Universitätsklinikum Gent in enger Zusammenarbeit mit dem Institut Curie und weiteren Projektpartnern. Ziel ist es, das Immunsystem der Betroffenen so zu trainieren, dass bei Hochrisikopatientinnen und -patienten einem Rückfall entgegengewirkt werden kann.

„Dieses großangelegte europäische Projekt soll dazu beitragen, schneller präzisere und wirksamere Therapien gegen diesen seltenen und aggressiven Tumor zu entwickeln, und gibt jungen Patientinnen und Patienten mit Ewing-Sarkom neue Hoffnung“, betont Amaury Leruste, Kinderonkologe und Wissenschaftler am Institut Curie und Leiter des THEODORA-Projekts. 

Dr. Alexandra Moosmann

Leitung KiTZ Kommunikation

Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg
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